Source: Militärpolitik, Informationstechnologie und die Virtualisierung
des Krieges, in: Peter Bittner, Jens Woinowski (Hg.): Mensch - Informatisierung
- Gesellschaft, Münster: Lit Verlag, 1999, S. 141-161
Ralf
Bendrath
Militärpolitik, Informationstechnologie
und die Virtualisierung des Krieges
"Soon there will be no such thing as
,unknown territory'
for the United States Military."
Bruce Sterling
"We are not in the business of killing."
General Norman Schwarzkopf
1. Auf dem Weg zum vernetzten
Militär
Nach dem Golfkrieg 1991 hat vor allem in den USA eine intensive Debatte
darüber eingesetzt, wie neue Computer- und Informationstechnologien die
Natur des Krieges verändern.
Der Krieg gegen den Irak galt für viele Soldaten und Beobachter als erster
einer neuen Generation von Kriegen, in denen nicht mehr physische Gewalt
über den Sieg entscheidet, sondern die "Informationsüberlegenheit" oder
allgemeiner die Fähigkeit, einen "Informationskrieg" zu gewinnen.
Diese Entwicklung hatte vor allem zwei Ursachen: Natürlich spiegelt sie
zum einen den Boom der zivilen Computerindustrie wider, vor allem die
Entwicklung vom einzelnen Rechner zum Datennetz. Bereits vorher liefen
aber schon Projekte in den amerikanischen Streitkräften, die mit dem Vietnamkrieg
begonnen worden waren. Der Golfkrieg bildete für viele der damals entworfenen
Systeme den ersten Kriegseinsatz.
Die Diskussion über den "Informationskrieg" ist seitdem vor allem in den
USA zu einem sicherheitspolitischen Thema ersten Ranges geworden. 1994
wurde an der National Defense University eine School for Information Warfare
and Strategy gegründet, wo seitdem Offiziere für "Informationsoperationen"
ausgebildet sowie militärisch-konzeptionelle Überlegungen zum Krieg im
Informationszeitalter angestellt werden.
1995 erreichte das Thema mit einer Titelgeschichte des Time Magazine die
allgemeine Öffentlichkeit.
Die Vereinigten Stabschefs
formulierten im folgenden Jahr ihr Planungspapier "Joint Vision 2010",
in dem das alte "Feuerkraft ist Macht" durch "Wissen ist Macht" ersetzt
wurde.
Das Field Manual 100-5 (Operations) wurde im August 1996 durch das FM
100-6 (Information Operations) ergänzt.
Der "Sieg im Informationskrieg" ist heute eines der fünf Langzeitziele
in den Modernisierungsplänen der US Army.
Computer wurden in der Vergangenheit vor allem dazu verwendet, Aufgaben
wie Kommunikation, Zielerkennung oder Logistik zu verfeinern und zu effektivieren.
Heute läßt sich allerdings beobachten, daß sich die Anwendungsbereiche
verschoben haben. So geht es mittlerweile auch um die Abwehr von Eindringlingen
in Computernetzwerke, elektronische Abhör- und Überwachungstechniken,
die Entwicklung sogenannter "logischer Bomben" in Form von Software oder
die Nutzung von Computerviren als "nicht-lethale Waffen".
Die seit etwa drei Jahren auch in Deutschland anlaufende Debatte ist sehr
deutlich von dem Vorbild USA geprägt.
Dabei wird oft der Fehler wiederholt, den die sicherheitspolitischen Eliten
jenseits des Atlantiks begehen: Die Annahme, daß eine verbesserte Vernetzung
der Streitkräfte lediglich die militärische Effizienz erhöht. Mit der
derzeit laufenden Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte sind
jedoch weitreichende Probleme verbunden, die Grundfragen der Kontrolle
staatlicher Gewalt aufwerfen.
Im Zuge der "militärisch-technischen Revolution",
so die Ansicht vieler Beobachter, "untergräbt die Informationstechnologie
den Großteil des angesammelten Wissens der Welt über bewaffnete Konflikte"
- und damit auch über deren politischen Kontext.
2. Beschleunigung, Integration,
Automatisierung
Die Vernetzung der Streitkräfte auch auf den unteren Ebenen wurde in den
USA seit dem Vietnamkrieg vorangetrieben. Einen Schub erhielt sie jedoch
erst, als die Reagan-Administration 1980 wieder größere Finanzmittel für
Forschung, Entwicklung und Beschaffung im Rüstungsbereich zur Verfügung
stellte. Im August 1982 wurde ebenfalls
die AirLand Battle-Doktrin (ALB) fertiggestellt,
die die Trennung von Heer und Luftwaffe durch einen integrierten Boden-
und Luftkampf im "erweiterten Gefechtsraum" ablöste. Der Kerngedanke von
ALB war die Ablösung der Überlegenheit in Masse oder Raum durch "Zeitdominanz",
die durch höhere Operationsgeschwindigkeiten und Überraschungsangriffe
erreicht werden sollte. Dafür wurden integrierte Gefechtsstände, Sensoren
und Trägersysteme benötigt, die in der Lage waren, Gefechtsdaten in Echtzeit
zu berechnen, zu übertragen und auszuwerten.
Diese Aufgabe sollten die sogannten C3I-Systeme
übernehmen.
Der Golfkrieg 1991 war die erste praktische Anwendung der ALB-Doktrin,
deren Grundannahmen durch den überlegenen Sieg der USA für die Militärs
als bestätigt galten.
Besonders gut funktionierten erstmals die integrierten Systeme, die durch
Korrelation von Aufklärungsdaten mit inhaltlichen Datenbanken einen umfassenden
Lageüberblick ermöglichten. Daraus erwuchsen weitergehende Überlegungen:
Wenn die Erfassung und Analyse der Daten funktionieren, wird die Frage
interessant, wie sie für die Entscheidungsfindung genutzt werden können.
Damit hatte die "Informationsrevolution" den Kern der militärischen Organisationsformen
erreicht. Das Leitbild dieser Debatte ist ein Bild des radikalen Wandels,
die "Revolution in Military Affairs". Ein vorläufiges Ergebnis
waren 1996 die bereits erwähnte "Joint Vision 2010" der Joint Chiefs of
Staff und das Field Manual 100-6 (Information Operations).
Ihnen gemeinsam ist eine stärkere Integration und Zentralisierung der
Kommandostrukturen. Die Teilstreitkräfte hatten in der Vergangenheit bereits
eigene C3I-Systeme
entwickelt oder in Auftrag gegeben.
Seit dem Golfkrieg wird nun ihre Integration zu einem Gesamtsystem verstärkt
vorangetrieben. Das Ziel ist ein "System of Systems", also ein umfassendes
C3I-System,
das alle bisherigen Systeme umfaßt.
Zur besseren Umsetzung wurde auch die Form der Innovation verändert. Anstelle
der Ausschreibung großer Systeme wurde eine Experimentaltruppe (EXFOR)
eingerichtet und mit den Doktrinenentwicklern, Beschaffungsbeamten, Programmoffizieren
und den Firmen, die für die Systementwicklung zuständig waren, unter einem
Dach versammelt.
Damit wurden Ressourcen und Verantwortung von den ministeriellen Entwicklungsabteilungen
zu den Endnutzern verschoben.
Die Vernetzung der C3I-Systeme wird derzeit bis auf die unterste Ebene, den einzelen Soldaten,
weitergeführt. Im Rahmen des Projektes "Land Warrior Generation II" werden
die Soldaten mit tragbaren Computern ausgestattet, die an die Kommandosysteme
angebunden werden. Zusätzlich können sie Sensordaten empfangen.
Durch computergesteuerte Präzisisionsmunition, die auch über weite Entfernungen
treffen kann, sowie unterstützende Miniaturflugsysteme (Drohnen) für Aufklärung
und Kommunikation
sollen die eigenen Verluste möglichst gering gehalten werden. Für diese
Entwicklung war auch die öffentliche Meinung in den USA wichtig, die es
seit dem Vietnamkrieg immer weniger zuläßt, daß amerikanische Soldaten
größere Verluste erleiden. Der Einsatz von Menschen soll nun durch Hochtechnologie
ersetzt werden - der Krieger vergangender Jahre wird gewissermaßen wegrationalisiert.
Sein Nachfolger ist ein Fachmann im Bedienen hochkomplexer technischer
Systeme, der seine Gegner oft nur noch auf dem am Helm montierten Display
sieht.
Ähnliche Projekte laufen bei der Luftwaffe, wo die zu teuer gewordenen
bemannten Flugzeuge durch unbemannte ferngesteuerte Systeme (Remotely
Patrolled Vehicles, RPVs) ausgetauscht werden sollen. Der "Pilot" steuert
seine Maschine dann nur noch über eine Computer von der Kommandozentrale
aus.
Die technische Beschleunigung des Krieges bei gleichzeitiger Erhöhung
der Informationsdichte macht es den Kommandeuren immer schwerer, Entscheidungen
zutreffen. Daher werden seit den achtziger Jahren große Mittel für die
Entwicklung von Expertensystemen und künstlicher Intelligenz investiert.
Der AirLand Battle Manager etwa soll für Führungsoffiziere auf Korpsebene
und darunter Informationen vorstrukturieren, die Züge des Gegeners antizipieren,
darauf reagieren und sogar Truppenbewegungen und logistische Entscheidungen
vornehmen. Die ausgedruckten Befehle müssen nur noch unterschrieben werden.
Da Computer aber nur Zeichen verarbeiten können und prinzipiell nicht
in der Lage sind, deren Bedeutung zu "verstehen", wird das künstliche
"Wissen" über Hilfskonstruktionen, etwa Wahrscheinlichkeitsabschätzungen,
erzeugt.
Die Modelle, die dafür verwendet werden, reduzieren die vielfältige soziale
Realität des Krieges auf wenige Variablen. Die militärischen Informationssysteme
sind aber in aller Regel nicht für beschränkte Konfliktformen, sondern
für größtmögliche militärische Effizienz ausgelegt. Die Infanteriesoldaten
etwa, die nach dem Modell "Land Warrior Generation II" über vernetzte
Helm-Displays verfügen werden, können sich nicht mehr auf die eigene Beobachtung
verlassen, zumal sie auch Ziele bekämpfen sollen, die außerhalb des Blickfeldes
liegen oder aufgrund von Umwelteinflüssen nicht zu erkennen sind. Durch
den technisch gefilterten Blick wird so die komplexe Umwelt des Soldaten
auf militärische Kategorien
reduziert. Im Auftrag der US Army werden daher bereits Freund-Feind-Erkennungssysteme
für einzelne Soldaten entwickelt.
Die Luftverteidigungssysteme auf den Schiffen der US Navy zeigen Raketen,
die im Operationsgebiet gestartet wurden, auf einem Bildschirm in konzentrischen
Kreisen an - allerdings nicht nach Entfernung, sondern nach Gefährlichkeit
geordnet. Dies soll dem Waffenoffizier bei intensiven Gefechten helfen,
die Prioritäten der Raketenabwehr zu bestimmen.
Auf diese Weise ist den militärisch genutzten Informationssystemen die
spezifische Wahrnehmungsweise der Militärs in Form von Software und Datenmodellen
bereits eingebaut.
Wenn die Wahrnehmungen der Soldaten immer stärker von computererzeugten
Anzeigen geprägt werden, kann eine Simulation im Computer auch das Manöver
ersetzen. Das US-Verteidigungsministerium richtet zu diesem Zweck derzeit
ein Joint Simulation System (JSIMS) ein, das vernetzte taktische Simulationen
aller Teilstreitkräfte ermöglichen wird.
In den Simulationssystemen wird allerdings die die Realität, die normalerweise
über die Sensoren noch mit dem System gekoppelt ist, durch theoretische
Vorannahmen über den Ablauf von Kriegen oder Gefechten ersetzt. Dies kann
im Zweifelsfall zu einer "Überspezialisierung"
der Truppe führen. Dies bestätigt auch die "Joint Vision 2010". Als Hauptzweck
der Modernisierung wird dort die Fähigkeit genannt, konventionelle Kriege
zu führen. Andere Einsatzformen, die seit einigen Jahren unter dem Titel
"Operations Other Than War" diskutiert werden, etwa humanitäre Hilfe,
Peace-Keeping-Maßnahmen oder die Bekämpfung von organisiertem Verbrechen
und Drogenterrorismus, sind in den Plänen der Joint Chiefs of Staff diesem
klassischen militärischen Ziel nachgeordnet.
3. Politische Widerstände
und Probleme
Die Entwicklungen waren zunächst in den Streitkräften sehr umstritten.
Die Teilstreitkräfte wehrten sich zum einen gegen die Einschränkung ihrer
Eigenständigkeit, die eine solche Vernetzung mit sich bringen sollte.
Zum anderen widersprachen die Pläne dem militärischen Ethos, daß der Soldat
direkt im Kampf beteiligt sein muß und nicht durch einen Datenverarbeiter
ersetzt werden kann: "You can´t take out an enemy tank with just information."
Besonders die Idee einer Luftwaffe ohne Piloten galt als Unding.
Diesen Einwänden wurde in der "Joint Vision 2010" Rechnung getragen, indem
der ursprünglich geplante revolutionäre Ansatz durch einen evolutionären
ersetzt wurde. Die neuen Systeme und Methoden sollen schrittweise eingeführt
werden,
dazu wird eine frühzeitige Beteiligung der unteren Ebenen nach dem Vorbild
der EXFOR vorgesehen.
Jenseits dieser institutionellen Beharrlichkeiten ist mit der vollständigen
Vernetzung aber auch eine grundsätzlich neue Abstimmung der Kommandostrukturen
und damit auch der zivil-militärischen Beziehungen notwendig. Mit den
neuen C4I2-Systemen
verfügen die Kommandeure mittlerweile über eine bessere Lageübersicht
(den sogenannte "God's Eye View") als die Soldaten vor Ort, die ihre Informationen
nur nach dem "need to know"-Prinzip erhalten.
Damit ist eine direkte Kontrolle auch der untersten Einheiten und einzelnen
Soldaten durch höhere Führungsebenen möglich. Auf oberster militärischer
Ebene zeichnet sich eine entsprechende Zentralsierung der Entscheidungen
bei den Joint Chiefs of Staff ab.
"[F]ew
military leaders can resist the temptation to dabble in their subordinate´s
business. The easier it is for them to find out what that business is,
even though they are 10 000 miles away, the more likely they are to do
so. Political leaders will have the same capability"
Damit ändert sich auch das Verhältnis der Streitkräfte zur politischen
Führung: Es ist abzusehen, daß sich hohe politische Entscheidungsträger
in das militärische Mikromanagement einmischen werden. Im Golfkrieg 1991
mußten bereits einzelne Raketenangriffe vom Weißen Haus autorisiert werden.
Die Folge ist ein Ende der klaren Trennung zwischen Politik und Militär
und eine Vermischung politischer und militärischer Entscheidungsrationalität.
Diese Entwicklung wird noch verstärkt dadurch, daß die institutionelle
Trennung zwischen Geheimdiensten und kämpfenden Truppen aufgehoben wird.
Auf nationaler Ebene arbeiten in den USA mehr
als zwanzig Behörden oder Agenturen im Bereich der Aufklärung (Intelligence).
Die technologische Entwicklung hat hier zu neuen Überlegungen geführt,
die Fragmentierung des Aufklärungsapparates zu überwinden und einen besseren
Informationsfluß anzustreben. Ein entscheidendes Ereignis dafür war ebenfalls
der Golfkrieg 1991, in dem die technischen und sozialen Koordinationsprobleme
zwischen Militär und Aufklärungseinheiten deutlich zutage traten.
So wären die Streitkräfte technisch in der Lage gewesen, die Kommunikation
auf den stark gesicherten irakischen Erdkabeln abzuhören. Sie durften
diese Möglichkeit auf taktischer Ebene aber nicht nutzen, weil die nationalen
Geheimdienste ihnen zuvorgekommen waren.
Teilweise wurden diese Hindernisse umgangen, indem die Informationen über
informelle Kanäle weitergegeben wurden. Das Grundproblem, die behördliche
Trennung und Aufsplitterung der Aufklärungsarbeit der USA, kam dadurch
aber wieder auf die politische Tagesordnung.
Der Trend, der sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat, entspricht
der Entwicklung der Führungs- und Informationssysteme in den Streitkräften:
Eine technische Zentralisierung wurde mit einer organisatorischen Zentralisierung
verknüpft. In der Defense Intelligence Agency (DIA) wurden in mehreren
Reformschritten verschiedene Abteilungen zentralisiert und die teilstreitkräfteübergreifende
Koordination verstärkt,
darüber hinaus werden die ehemals 34 technischen Informationssysteme der
Streitkräfte zu fünf Systemen zusammengefaßt.
Die Kartografie- und Fotoaufklärungsbehörden wurden in der National Imagery
and Mapping Agency (NIMA) zusammengefaßt, und auch in den einzelnen Teilstreitkräften
wurden verschiedene Aufklärungsabteilungen integriert.
Der vieldiskutierte Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft
und der gleichzeitige Boom des Internet brachten dabei auch zivile Informationsquellen
verstärkt ins Gespräch. Die weltweiten offenen Datennetze sollten verstärkt
genutzt werden, um Informationen zu sammeln. Dieser sogenannte "Open Sources"-Ansatz
ist auch in den Streitkräften mit dem All Source Analysis System (ASAS)
teilweise bereits umgesetzt.
Darüber hinaus sollen auch die Informationen der amerikanischen Geheimdienste
verstärkt an andere Staaten weitergegeben werden. Der Grund dafür ist
die Sorge, daß zukünftig wird vieles Wissen, das früher der Geheimhaltung
unterzogen werden konnte, ohnehin auf dem freien Informationsmarkt verfügbar
sein wird. Viele Datenbankanbieter suchen mittlerweile verstärkt Staaten
als Kunden. Im März 1998 kamen in Washington bereits erstmals mehr als
500 Geheimdienstmitarbeiter aus aller Welt zu einer Konferenz zusammen,
auf der die stärkere Privatisierung der Intelligence diskutiert wurde.
Der Handel von Aufklärungsdaten wird daher bereits als neues Problem der
Rüstungsexportkontrolle diskutiert.
Besonders im Bereich der Satellitenaufklärung sind zunehmend private Bilder
mit hohen Auflösungen verfügbar.
Die USA, so die Autoren eines einflußreichen Artikels in der Zeitschrift
"Foreign Affairs",
müßten daher gezielt Abnehmer für ihr Wissen suchen, um sich politischen
Einfluß bewahren zu können. Der atomare Schirm müsse durch einen "Informationsschirm"
ersetzt werden. Diese Sichtweise ist mittlerweile in sicherheitspolitischen
Kreisen und auch im Militär weit verbreitet. Martin Libicki von der National
Defense University hat die praktische Umsetzung dieser Idee für multinationale
Kriegseinsätze so formuliert: "In effect, the United States can use remotely
delivered bitstreams to form virtual coalitions".
Diese Idee der informationszentrierten Militärkoalitionen liegt auch der
neuen NATO-Kommandostruktur Combined Joint Task Forces (CJTF) zugrunde.
Diese Entwicklungen zeigen, daß die bisher klaren Grenzen zwischen Politik
und Militär oder zwischen Militär, Geheimdiensten und privaten Informationsdienstleistern
in der Auflösung begriffen sind. Die USA werden weiterhin darauf setzen,
ihre militärische Vormachtstellung auf Feuerkraft zu stützen. Gleichzeitig
wird aber die Verfügung über Informationen immer mehr als neue Quelle
der Macht begriffen. Damit sind grundlegende Fragen der Rüstungskontrolle,
der Militärstrategie und -bündnispolitik sowie der politischen Kontrolle
der Gewalt wieder auf dem Tisch - aber bisher ohne ausreichende Diskussion
in der politischen Öffentlichkeit.
4. Information Warfare
und die Auflösung des Krieges
Die elektronische Aufrüstung führte in den achtziger Jahren zu einem Rüstungswettlauf
von Electronic Countermeasures (ECM) und Electronic Counter-Countermeasures
(ECCM).
Zunächst waren diese Maßnahmen darauf gerichtet, die Lenk- und Ortungssysteme
von Waffen zu beeinflussen. Mit der zunehmenden Bedeutung der Computersysteme
in den Kommandozentralen setzten die USA stärker darauf, in den Entscheidungsprozeß
des Gegners direkt einzugreifen.
Der neue Name dafür war "Command and Control Warfare" (C2-Warfare).
Im Golfkrieg 1991 wurde C2-Warfare
erstmals systematisch eingesetzt. Die ersten irakischen Ziele, die von
den USA angegriffen wurden, waren Sendemasten, Telefonzentralen und Brücken,
in denen Kommunikationskabel verliefen. Viele irakische Einheiten waren
so von der Verbindung zu ihren Führungsebenen abgeschnitten und wurden
handlungsunfähig. Darüber hinaus wurden gezielt irakische Kommandobunker
angegriffen.
Zu C2-Warfare
gehört daher immer noch die physische Zerstörung der gegnerischen Informationssysteme,
das Konzept geht aber weit darüber hinaus. Das US-Verteidigungsministerium
definiert C2-Warfare
als umfassende Beeinflussung der Wahrnehmungs- und Entscheidungssprozesse
des Gegners. Mit "Informationsdominanz"
bzw. "Informationsüberlegenheit" wird nicht mehr nur die Beherrschung
des elektromagnetischen Spektrums, sondern der gesamten "Informationssphäre"
angestrebt. Aufgrund der hohen Bedeutung von Computern für die Wahrnehmungs-
und Entscheidungsprozesse aller Streitkräfte werden auch Computernetze
jetzt als Teil des Kampfraumes verstanden. Im Zuge dieser Entwicklung
wurde der Begriff "Information
Warfare" in den offiziellen Sprachgebrauch der US-Streitkräfte aufgenommen
und das bereits erwähnte Field Manual 100-6 (Information Operations) veröffentlicht.
Die Haupttechniken dieser Art von Informationskriegführung sind das gezielte
Eindringen in fremde Computersysteme ("hacking") zum Zwecke der Datenmanipulation
oder -zerstörung sowie das Verseuchen derselben mit Computerviren, die
durch elektronische Kommandos aktiviert werden können ("logische Bomben").
Seit den achtziger Jahren arbeiten verschiedene staatliche Stellen an
der Erforschung dieser Methoden. Auch die Streitkräfte beteiligen sich
an der Entwicklung von Computerviren, die auch als "nicht-lethale Waffen"
bezeichnet werden. Die Befehlshaber der Regionalkommandos wurden mittlerweile
aufgefordert, ihre Einsatzpläne daraufhin zu überprüfen, inwieweit diese
Techniken konventionelle Waffen ersetzen können. Alle Vorhaben unterliegen
höchster Geheimhaltung und wurden bisher im Kongreß nicht öffentlich diskutiert. Angehörigen der Streitkräfte
ist es verboten, den Begriff "offensive computer operations" in öffentlichen
Debatten zu verwenden.
Bisher ist bekannt, daß eine Handvoll solcher Systeme bereits getestet
wurden, mindestens eines wurde im Krieg eingesetzt.
Die Idee, einen Krieg auch in den Datennetzen, also im sogenannten Cyberspace
zu führen, war für die Militärs zunächst sehr ungewohnt, da der Cyberspace
ein grundlegend anderes Verständnis von Raum und Körperlichkeit erfordert.
Der "Raum" im Cyberspace besteht nur aus Daten und Symbolen sowie deren
Verknüpfungen. Weil lineare Entfernungen im Sinne des cartesischen physischen
Raumes nicht existieren, gibt es keine definierbare "Front" mehr. Die
Akteure im Cyberspace sind nicht mehr physisch anwesend, sondern werden
durch Symbole repräsentiert. Diese Nicht-Körperlichkeit des Cyberspace
klammert die Anwendung physischer Gewalt, die zum professionellen Selbstbild
des Militärs gehört, aus. Eine naheliegende Reaktion der Streitkräfte
wäre daher gewesen, diese Aufgaben an andere, nichtmilitärische Akteure
zu verweisen. Dies wurde in Fachkreisen auch erwartet. "Sobald Dinge nach
etwas anderem riechen als nach Leute umbringen und Dinge zerstören, fangen
die Militärs an, auf andere zu zeigen", so ein Berater des Verteidigungsministeriums.
Daß die Streitkräfte dennoch begannen, sich grundsätzlicher auf diese
Formen des Konfliktaustrages vorzubereiten,
lag an der Etablierung des Leitbildes "Information Warfare" zu Beginn
der neunziger Jahre. Damit wurde die Wahrnehmung des Themas so vorstrukturiert,
daß eine Zuständigkeit der Streitkräfte zwingend erschien. Als Wendepunkt
kann dabei das Jahr 1994 gelten, als zwei bisher getrennte Diskussionsstränge
konvergierten. Während "Information Warfare" zunächst aus militärischer
Sicht Computersicherheit im Krieg meinte, wurde daraus im zivilen
Sprachgebrauch nach und nach die Bedeutung von Computersicherheit als
Krieg.
"'Password
security' became 'computer security', then 'information systems security',
'information protection', and now 'information warfare'."
Das Leitbild "Information Warfare" umfaßte seitdem sowohl zivile als auch
militärische Kontexte von Angriffen auf Computersysteme. Neben der Unterstützung
"normaler" Kriege wurden jetzt Konflikte damit gemeint, die nur noch in
den Datennetzen stattfinden. Bereits 1995 war "Information Warfare" das Leitbild für alle Forschungs- und
Entwicklungspläne der US-Streitkräfte,
und 1996 wurde es in die Joint Vision 2010 aufgenommen.
Das hat weitreichende Folgen für die Identität des Militärs und seine
politische Kontrolle.
Neben den Geheimdiensten ist auch das FBI bei der Strafverfolgung mit
dem Eindringen in fremde Computersysteme befaßt, das Militär hat für den
"Informationskrieg" also keine exklusive Zuständigkeit mehr. Im US-Kongreß
wurde bereits davor gewarnt, daß die Hacker der verschiedenen staatlichen
Akteure sich bei ihren Aktivitäten gegenseitig im Weg stehen könnten.
Die staatlichen "Informationskrieger" beziehen bereits einen großen Teil
der offensiv verwendbaren Software aus Hackerkreisen.
Im Datennetz selber kann überhaupt nicht mehr unterschieden werden, ob
ein Eindringling ein Angehöriger
der Streitkräfte, ein Krimineller mit Profitabsichten oder einfach ein
jugendlicher Hacker ist. Beim "Informationskrieg" werden darüber hinaus
die völkerrechtlichen Normen der Kriegführung außer Kraft gesetzt.
Diese basieren auf der Unterscheidung von legitimen staatlichen Kriegen
und illegitimen nichtstaatlichen Kriegern: Der "Soldat kann sich verbergen,
aber er darf nicht die Tatsache verbergen, daß er ein Soldat ist."
Diese Unterscheidung in Kombattanten und Nicht-Kombattanten ist beim Krieg
im Datennetz nicht mehr möglich. Kurz gesagt: Im Cyberkrieg sind Militär
und Polizei, staatliche und nichtstaatliche Akteure gleich.
Zusätzlich verschwindet die klare Trennung zwischen Krieg und Frieden:
Um Lücken in den gegnerischen Computersystemen zu finden, sind die "Informationskriegs"-Einheiten
gerade darauf angewiesen, diese schon in Friedenszeiten anzugreifen. Ein
erfolgreicher Angriff besteht sogar daraus, daß er nicht einmal bemerkt
wird. Der Einsatz von Viren ist ein Beispiel für einen Informationskrieg,
der von den Opfern gar nicht als solcher erkannt werden könnte - wer hat
nicht schon einmal einen Computerausfall durch Viren erlebt, ohne dabei
gleich an Krieg zu denken?
Die politische Kontrolle ist dabei kaum noch aufrechtzuerhalten, da die
Aktivitäten für technische Laien überhaupt nicht und selbst für Experten
nur bedingt nachvollziehbar sind. Das Recht des Kongresses, einen Krieg
zu erklären, wird ausgehebelt. Auf neue Art erleben die USA hier das Problem
wieder, das von verdeckten Einsätzen der Special Operations-Einheiten
bereits bekannt ist.
"Twenty
years ago, it was special operations; now info ops are shifting our conflict
paradigms. But how do we control it [IW], and who should control it? How
do we do the [information operations] 'bomb damage assessment'?"
Auch auf der defensiven Seite wird die infrastrukturelle Sicherheit von
innen und außen neuerdings als gleichermaßen gefährdet angesehen. Spätestens
1991 wurde im sicherheitspolitischen Diskurs ein Begriff geprägt, der
die technologisch bedingte Unsicherheit mit einem historischen Trauma
der USA verband: Das "elektronische Pearl Harbor".
Dieser Begriff hat eine bemerkenswerte Karriere gemacht
und fand Eingang in den Bericht des Defense Science Board, das im Auftrag
des Verteidigungsministeriums seit 1995 die defensiven Aspekte des "Informationskrieges"
untersuchte.
Er beschreibt ein Szenario, das aus einem elektronischen Angriff auf wichtige
Teile der amerikanischen Computersysteme besteht, etwa "eine Softwarebombe
auf dem Aktienmarkt" oder "ein elektromagnetischer Impuls, der das Telefonnetz
zusammenbrechen läßt."
Die Definitionen entscheiden daher auch über Zuständigkeiten: Wird das
Problem als "Computerkriminalität" betrachtet, ist es Sache des FBI; ein
"Informationskrieg" dagegen betrifft das Verteidigungsministierium. Das
im Mai 1998 neu geschaffene Amt eines nationalen Koordinators für den
Schutz der Infrastruktur zeigt deutlich den Auflösungsprozeß der bisher
klaren Grenzen zwischen äußerer und innerer Sicherheit. Der nationale
Koordinator, der dem FBI angehört, ist jetzt auch für die Bekämpfung der
ausländischen Terroristen und der inneren Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen
zuständig - beides Bereiche, die ebenso die Kompetenzen des Militärs
betreffen. Das ebenfalls neu gegründete National Infrastructure Protection
Center (NIPC) untersteht normalerweise ebenfalls dem FBI, also dem Justizministerium.
Bei Bedarf kann es aber auch dem Verteidigungsministerium oder den Geheimdiensten
unterstellt werden. Die genaue Entwicklung dieser Politik ist noch unklar,
da weitere Studien vorgesehen sind und die Gründung weiterer Büros und
Arbeitsgruppen geplant wird.
Der Trend zur Verschmelzung innerer, äußerer und privater Sicherheit der
elektronischen Infrastruktur wird aber schon heute deutlich.
5. "Soft Power" und
die die Militarisierung der Öffentlichkeit
"Information Warfare" geht aber noch weiter. Im Rahmen dieses Konzeptes
wird auch die Öffentlichkeit immer mehr als ein Mittel der Kriegführung
angesehen, indem durch gezielte Falschmeldungen das taktische Wissen des
Gegners manipuliert werden kann. Die USA haben diese Methode im Golfkrieg
gezielt genutzt, indem sie den Zugang zu den Kriegsgebieten streng kontrollierten,
aber die Reporter mit Bildern und Nachrichten aus eigener Produktion belieferten.
So sorgten Verlautbarungen an die Presse dafür, daß niemals eingesetzte
amerikanische Landungstruppen vor der kuwaitischen Küste das sechsfache
an irakischen Kräften banden. Eine Meldung über einen angeblich von den
USA eingeschleusten Computervirus in den irakischen C3I-Systemen
sollte das Vertrauen der irakischen Kommandeure in die Zuverlässigkeit
ihrer Informationen untergraben. Der damalige Vorsitzende
der Joint Chiefs of Staff, General Colin Powell, faßte dies folgendermaßen
zusammen:
"Once
you've got all the forces moving and everthing's being taken care of by
the commanders, turn your attention to television because you can win
the battle or lose the war if you don't handle the story right."
Die US-Streitkräfte haben die Lehren aus dem Golfkrieg, aber auch aus
anderen Einsätzen,
systematisch ausgewertet. Dabei wurde die psychologische Kriegführung
("PsyOps") erstmals als integrierter Bestandteil in die allgemeinen Operationsplanungen
einbezogen. Mit der Veröffentlichung des Field Manual 100-6 (Information
Operations) im August 1996 wurden alle Informationsflüsse im Kontext eines
Krieges als entscheidend für seinen Ausgang indentifiziert. Der "Sieg
im Informationskrieg" ist heute eines der fünf Langzeitziele in den Modernisierungsplänen
der US Army.
Militärische Einsätze finden nach diesem Verständnis in einer globalen
Informationsumgebung statt, die für die Zwecke des Einsatzes beeinflußt
werden muß. Die Informationsumgebung wird dabei als Teil des Schlachtfeldes
angesehen:
"IO
[information operations] greatly expands the commander's battlespace,
including interaction with the media, industry, joint forces, multinational
forces and computer/satellite networks worldwide."
Das kann im Einzelfall dazu führen, daß die Angehörigen der Streitkräfte
selber zum Opfer der Falschmeldungen ihrer Kollegen werden. Die bereits
erwähnte Nachricht über den angeblichen Virus im irakischen C3I-System
etwa wurde mittlerweile mehrfach widerlegt, wird aber auch von Offizieren
immer noch als Beispiel für erfolgreiche Informationskriegführung angeführt.
Neuere Überlegungen gehen noch einen Schritt weiter: Anstatt die Wahrnehmungs-
oder Entscheidungsprozesse des Gegners zu beeinflussen, sollen seine Ziele,
also der politische Zweck des Krieges, verändert werden. "The target of
information warfare, then, is the human mind ", so George Stein, Professor
am Army War College, in einem vielzitierten Artikel.
Auf dieser Basis wurden Konzepte für weitergehende Formen der Kriegführung
entwickelt, die unter den Leitbildern "Netwar" oder "Neocortical War"
zusammengefaßt werden. Sie beinhalten eine Ausweitung des Kriegsbegriffes
auf alle Konfliktformen in der Gesellschaft, die kommunikativ ausgetragen
werden.
Als erster "Netwar" gilt die Auseinandersetzung zwischen Peru und Equador
Anfang 1995, als sich offizielle Stellen schon vor dem Beginn der eigentlichen
Kampfhandlungen im Internet einen heftigen Disput lieferten.
Aber auch die kritische Arbeit von Nichtregierungsorganisationen, die
versuchen, die Ideen der Gesellschaft zu verändern, wird als "Netwar"
bezeichnet. Dies läuft in Umkehrung
des Clausewitzschen Diktums auf eine Fortsetzung des Krieges mit politischen
Mitteln hinaus. Im theoretischen Denken über den Krieg kündigt sich damit
ein weiterer Wandel an: Informationen und ihre Kontrolle sind nicht mehr
bloß notwendige Mittel, sondern der Zweck des Krieges. Dies enspricht
dem Wandel des innerstaatlichen Gewaltmonopols, den Michel Foucault beobachtet
hat: Nicht mehr der Körper des Verbrechers ist heute das Objekt des Strafvollzuges,
sondern sein Willen.
Das bedeutet das Ende des "American Way of War".
Das Kriegsbild der USA beruhte lange auf der Annahme, daß das Militär
erst dann aktiv wird, wenn die Politik gescheitert ist. Diese Idee des
ohne politische Einmischung geführten Krieges ähnelt im Grundsatz Ludendorffs
Konzept des totalen Krieges. Sie wird nun zunehmend vom Clausewitzschen
Modell des Krieges als Fortsetzung und Mittel der Politik abgelöst. Clausewitz
selber nannte als Ziele des Krieges nicht nur den Sieg über die feindlichen
Streitkräfte und die Inbesitznahme der nicht-militärischen Hilfsquellen
des Feindes, sondern auch die Gewinnung der öffentlichen Meinung.
Dies entspricht dem neuen amerikanischen Konzept der "Information Operations".
Dabei werden die Streitkräfte in einem Verbund anderer Maßnahmen eingesetzt,
und das Verhältnis politischer und militärischer Entscheidungskriterien
ist jeweils im Einzelfall neu festzulegen. Die Idee des "Netwar", deren
Umsetzung noch nicht abzusehen ist, die aber an Einfluß gewinnen könnte,
wäre in dieser Entwicklung ein noch weitergehender Schritt. Er entspräche
der Übernahme des Kriegsmodells von Sun Tsu, der als höchstes Ziel des
Krieges die Unterwerfung des Gegners ohne Anwendung von Gewalt genannt
hat.
Der Hintergrund dieser Entwicklungen ist ein neues Verständnis von Macht.
Der Begriff "Soft Power", der mittlerweile im politischen Establishment
der USA etabliert ist, bezeichnet "weiche" Formen von Macht, etwa Medienkontrolle,
kulturelle Dominanz oder Softwaremonopole. Diese Faktoren erhalten in
der "Informationsgesellschaft" eine hohe Bedeutung. In dem bereits erwähnten
Artikel der Zeitschrift "Foreign Affairs" wird daher eine strategische
Nutzung der weltweiten amerikanischen Dominanz im Bereich der Medieninhalte
gefordert. Mit "Informationskampagnen", sollten die Köpfe der Völker der
Welt im Kampf um amerikanische Werte gewonnen werden. Die Autoren plädieren
dabei unter anderem für eine intensive Koordination des Aktivitäten des
Verteidigungsministeriums mit der United States Information Agency (USIA)
oder der Voice of America.
Die Zivilisierung des Militärs, die mit der Ausweitung der soldatischen
Tätigkeiten auf Bereiche jenseits der physischen Gewalt einhergeht, fällt
so zusammen mit einer Militarisierung der Zivilgesellschaft, in der die
Öffentlichkeit als Raum des Kampfes, nicht der Verständigung, angesehen
wird. Ähnliches gibt es übrigens auch in der Linken, die bestimmte Formen
öffentlicher Aktionen neuerdings als "Kommunikationsguerrilla" bezeichnet.
Ralf Bendrath, Dipl. Pol., promoviert zum Thema "Information Warfare"
an der Freien Universität Berlin und ist Redakteur der Zeitschrift Zivilcourage.

Literatur
1.
AirLand Battle 2000, in: Militärpolitik Dokumentation, Nr. 34/35, Frankfurt/M.
1982, S. 74-93
2.
Aldrich, Richard W.: The International Legal Implications of Information
Warfare, in: Airpower Journal, Herbst 1996, S. 99-110
3.
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